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Sommernacht

Beschreibung:  Ein Gedicht von Emerenz Meier
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Sommernacht

Wie lustig ist's im dunklen Wald,
Wenn Mondschein drüber lacht,
Der Sang der Burschen weithin schallt
In lauer Sommernacht!

Es zirpt die Grille dort am Bach,
Die Unke ruft im Teich,
Und übers Tal hin zieht gemach
Der Nebel schleierweich.

O gäbe man nur Freiheit mir
Und kecken Burschensinn,
Wie zög' ich froh durchs Waldrevier,
Durchs nachtumhüllte, hin!

Wie freut' ich mich des Lebens doch!
Wie hätt' ich Gott so lieb!
Ich dankt' ihm für das Reislein noch,
Das mir vom Frühling blieb.

Ich hätte Mut, durch alle Welt
Zu wandern mit dem Stab,
Zu wandern ohne Gut und Geld
Als froher, junger Knab.

Das Glück, das Schicksal zwäng' ich mir,
Mein Sklave müßt' es sein;
Und wollt' es lieber schmollen schier,
Ging' ich vergnügt allein.

So aber darf ich schüchtern nur
Durchs Kammerfenster spähn,
Darf lauschen nur der Kühnen Spur,
Die durch das Weltall gehn.

Darf lachen wohl, doch nicht zu hell,
Wenn Jugendlust mich neckt,
Darf weinen auch, doch nicht zu grell,
Wenn Leid und Schmerz mich schreckt.

Reicht, Mädchen, freundlich mir die Hand!
Nicht alle leidet ihr,
Doch zieht des Gleichgefühles Band
Euch unbewußt zu mir.
  
Umgang mit Lyrik in der Sekundarstufe I
von Kaspar H. Spinner
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